Von:
Petra Nehring

e-markus.de

Der Löwe auf dem Markusplatz in Venedig ist das Symboltier des Stadtpatrons der schönen Lagunenstadt. Das liegt nicht etwa daran, dass der Evangelist Markus so gut gebrüllt hätte. Der hat vielmehr geschrieben und wohl kaum gebrüllt. Wie sehr er tatsächlich als „Schreiber“ in die Geschichte einging, erkennt man an den künstlerischen Darstellungen. Sie zeigen ihn meistens mit Schreibutensilien. Der Löwe ist jedoch deshalb das Symboltier des Markus, weil Markus die Geschichte des Jesus in der Wüste beginnen lässt. Darin hausen die wilden Löwen.

Markus hat das Leben des Jesus im Überblick aufgeschrieben. Von seinem Beginn als Prediger der Nähe Gottes bis zu seinem Tod am Kreuz. Das hatte vor ihm noch keiner getan. Man sagt, der Tod des Jesusjüngers Petrus könnte etwas mit dieser Idee zu tun gehabt haben. Markus hat beobachtet, dass die Leute, die mit Jesus gelebt haben, allmählich sterben. Es wird also Zeit aufzuschreiben, was damals los war. Die Menschen, für die er schreiben wollte, lebten im großen römischen Reich. Sie kannten das Land, in dem Jesus gelebt hatte, so wenig wie Markus selbst.

Was aber hat Markus auf die Idee gebracht, diese literarische Form zu wählen ? Ich verstehe gut, warum jemand Briefe schreibt. So wie der Apostel Paulus, der das schon 20 Jahre vor Markus tat. Da gab es wenigstens eine klare Adresse: Christen in Korinth, deren Fragen er beantworten wollte oder denen er ganz einfach Grüße bestellen wollte. Gebrauchsliteratur sozusagen. Aber, wer sollte bitte schön diese 16 Kapitel lange Geschichte über Jesus lesen?

Markus hat bestimmt an eine christliche Versammlung gedacht. Die wollten eben nicht nur beten oder aus den „alten“ heiligen Schriften des Judentums lesen. Sie wollten auch Stoff über Jesus haben. Es war immerhin schon eine Weile her, dass er gestorben war. Im Lauf von 40 Jahren verschwinden Erinnerungen. Die wichtigen O- Töne von Jesus hatte man bereits gesammelt. So schlau waren auch schon Christen vor Markus. Auch sie hatten über Jesus nachgedacht und Markus ließ ihre Gedanken einfließen. Er fing also nicht bei Null an. Später sollten noch Matthäus und Lukas das Leben Jesu aufschreiben. Anders als Markus, aber seine Vorlage haben sie übernommen.

Übrigens gibt es für Markus auch einen Ehrentag in der Kirche, nämlich den 25. April. Ehre, wem Ehre gebührt. Immerhin hat er die guten Worte und Taten des Jesus „in Form“ gebracht. Er war es, der das Ganze zum ersten Mal „Evangelium“, frohe Botschaft, nannte.

„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkünden, Gutes predigen, Heil verkündigen“. Das liest man in der Kirche an seinem Gedenktag. Sicher hätte Markus das gefallen, denn er sah sich bestimmt als „Freudenbote“. Schließlich wollte er nicht nur eine Geschichte schreiben, sondern Menschen froh machen.